Steuerreform brachte 638 Euro Entlastung pro Kopf

2017-12-21 12:28:26

Beamte profitierten am meisten, Geringverdiener kaum. Eine technische Neuerung könnte Letzteres aber ändern

Wien – Die neue Regierung hat sich eine Entlastung der Einkommen zum Ziel gesetzt. Dabei ist die "größte Steuerreform der Zweiten Republik", als die sie von der letzten Koalition angepriesen wurde, erst ein Jahr her. Was hat diese Reform wem gebracht? Und welche Schlüsse birgt die jüngste Entlastung für die noch sehr vage gehaltenen Vorhaben der türkis-blauen Regierung. 2016 war im Sinne der Lohnsteuer ein Ausnahmejahr. Reformbedingt sank das Steueraufkommen erstmals seit sieben Jahren, wie die Statistik Austria in einer Auswertung am Mittwoch präsentierte. Demnach stiegen zwar insgesamt die Bruttobezüge der rund 6,9 Mio. Lohnsteuerpflichtigen in Österreich auf 189 Mrd. Euro, weil mehr Menschen arbeiteten und besser verdienten. Aber davon gingen nur 25 Mrd. an Lohnsteuer an den Finanzminister, also um rund drei Milliarden weniger als 2015. Insgesamt betrug die Entlastung der Steuerzahler im Vorjahr etwa 4,4 Mrd. Euro. Das entspricht durchschnittlich 438 Euro pro Steuerpflichtigen.

Was der Fiskus zurückgibt Hand aufs Herz, wer hat sich von Beginn seiner Erwerbskarriere über Absetzbeträge vom Fiskus etwas zurückgeholt? Nur rund jeder zweite Lohnsteuerpflichtige hat das in der Vergangenheit getan, laut Statistik Austria. Dabei schaute eine Steuergutschrift von durchschnittlich vier bis fünf Prozent heraus. Allerdings würden Geringverdiener den Statistikern zufolge seltener eine Arbeitnehmerveranlagung machen. Ob das an geringerem Nutzen, Unwissenheit oder etwa Sprachbarrieren liegt, ist unklar. Mit der automatischen Arbeitnehmerveranlagung erhält jeder Lohnsteuerpflichtige einen Teil seiner Steuern automatisch rückerstattet. Besonders interessant für Geringverdiener: Das umfasst auch die Negativsteuer, die wie ein Absetzbetrag auf Sozialabgaben funktioniert. Bis zu 110 Euro schauen dabei heraus, für Pendler bis zu 400 Euro. In der aktuellen Berechnung fehlen diese Zahlen, weil die Abwicklung mehrere Jahre dauert. Für das Vorhaben der Koalition, mit einer neuerlichen Tarifreform insbesondere Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen zu entlasten, könnte die neue automatische Arbeitnehmerveranlagung ein wirksamer Hebel sein. Für Geringverdiener besteht der Keil zwischen brutto und netto überwiegend aus Sozialabgaben. Erst das oberste Einkommenszehntel zahlt mehr Steuern als Abgaben. Eine Ausweitung der Negativsteuer würde auch jene entlasten, die gar keine Lohnsteuer zahlen. (Leopold Stefan, 21.12.2017)

 

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